Winnenden/Amoklauf – Wir gehören in diese Gemeinschaft

17. März 2009 | Von Jürgen Linsenmaier - 365TAGE-RemsMurr | Kategorie: informatives

Die Albertville-Realschule steht zusammen. Über 90 Prozent der Schüler haben gestern das freiwillige Angebot angenommen, den Tag in ihren Klassenstufen zusammen mit Lehrern (darunter auch 30 Pädagogen aus umliegenden Schulen), Psychologen und Seelsorgern zu verbringen.

„Wir haben fröhliche Kinder erlebt, die sagen ,das ist die Gemeinschaft, in die wir gehören’ und ‚gut, dass der Alltag wieder kommt’“, erzählt Wolfgang Schiele, Leitender Schuldirektor am Regierungspräsidium Stuttgart. Einige Schüler haben gemeinsam Musik gemacht, andere sich im Freien bewegt, eine Gruppe hat einen Andachtsraum eingerichtet. Die Kinder und Jugendlichen haben sich teilweise bereits in ihre Klassen aufgeteilt. Schiele ist optimistisch, dass der Übergang zum regulären Unterricht gut funktionieren wird.

Fünf Psychologen der Unfallkasse Baden-Württemberg, bei der alle Schüler berufsgenossenschaftlich versichert sind, informieren Eltern und Kinder, welche Stressreaktionen des Körpers nach einem solchen Ereignis normal sind. Gleichzeitig zeigen sie in Kleingruppen Übungen zu Atemtechniken und zur Muskelentspannung. „Wir ermuntern die Schüler auch, Sport zu machen oder was sie sonst gerne tun“, sagt Psychologin Gerlinde Dötsch.

„Wir kommen jetzt in eine neue Phase“, erklärt Dieter Glatzer, Leiter des Kriseninterventionsteams der Schulpsychologen. Diese unterstützen die Betroffenen auf dem Weg in den Schulalltag. Am Montag waren 64 Schulpsychologen in den Klassenstufen der Albertville-Realschule. „Wir reagieren flexibel auf Anfragen, so dass immer so viele Kräfte da sind, wie gebraucht werden“, so Glatzer. Ihm sind derzeit vor allem die Lehrkräfte wichtig. Viele Klassenlehrer seien im Moment stark und stabil. Damit das so bleibt, gibt es eine ständige Anlaufstation für die Angestellten der Schule. Die Psychologen kümmern sich in Kleingruppen und in Einzelgesprächen um die Betroffenen.

Da die Situation aber auch für die Helfer eine Belastung ist, werden diese nach drei bis fünf Tagen ausgetauscht und bekommen eine Ruhepause.

Die Betreuung in umliegenden Hallen ist laut Schiele bis kommenden Dienstag verlängert. Für die Zeit danach stehen ausreichend Klassen- und Fachräume in den umliegenden Gemeinden zur Verfügung. Zu den 60 Lehrern der Albertville-Realschule unterrichten dann 30 zusätzliche Pädagogen die Kinder und Jugendlichen.

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