Nach dem Schock beginnt die Trauerarbeit
16. März 2009 | Von Jürgen Linsenmaier - 365TAGE-RemsMurr | Kategorie: informativesEhrenamtliche Helfer des DRK, der Notfallseelsorge und der Feuerwehr schildern ihre Eindrücke.
Die ehrenamtlichen Helfer des DRK, der Notfallseelsorge und der Feuerwehr ziehen eine durchweg positive Zwischenbilanz ihrer Arbeit in Winnenden. „Wir haben Unterstützung aus der ganzen Region – von Böblingen, Schwäbisch Gmünd bis Pforzheim und Heilbronn“, sagt Annette Kull vom Deutschen Roten Kreuz. Sie koordiniert die etwa 200 Ehrenamtlichen, die sich um die Betroffenen des Amoklaufs an der Albertville-Realschule kümmern. Zum Einsatz kommen nur Helfer, die psychologisch geschult sind.
„Nach der Phase des Schocks beginnt nun die Trauerarbeit“, erklärt Kull. Jedes Kind reagiere auf die Tat individuell. „Manche erzählen nun, was sie erlebt haben, manche weinen und wollen getröstet werden. Andere sind ruhig und möchten nur Gesellschaft haben.“ Die Helfer gehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse so weit wie möglich ein – und so lange die Unterstützung gebraucht wird. Kull etwa arbeitet hauptberuflich als Lehrerin, ist aber derzeit auf unbestimmte Zeit freigestellt.
Alexandra Winter, Pfarrerin aus Murrhardt-Kirchenkirnberg, und Notfallseelsorgerin, lobte insbesondere die Zusammenarbeit mit der Polizei. Die Beamten, die den Hinterbliebenen die Todesnachricht überbrachten, haben Tandems mit Pfarrern gebildet. Diese Tandems haben den Angehörigen angeboten, sie zu begleiten und stehen als feste Ansprechpartner zur Verfügung. „Die Polizisten haben sehr sensibel agiert und darauf geachtet, dass aus dem Umfeld der Opfer niemand vergessen wird.“ In der Arbeit mit den Schülern stehe derzeit natürlich die Frage nach dem „Warum“ im Vordergrund. „Wir versuchen, Gegen-Erfahrungen anzubieten – die Klassengemeinschaften rücken zusammen, in Gesprächen wollen wir den Kindern das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit wiedergeben“, erklärt Winter.
Auch die Feuerwehr ist derzeit im Dauereinsatz. Harald Pflüger, Kommandant der Feuerwehr Winnenden, und seine Leute unterstützen Helfer und Polizei in allen Bereichen. Sie schirmen etwa Trauerfeiern und Beerdigungen ab und haben die von Schülern zurückgelassene Gegenstände aus dem betroffenen Gebäude geholt, verpackt und im benachbarten Lessing-Gymnasium an die Besitzer zurückgegeben.
Da diese Eindrücke auch für die Helfer belastend sind, werden alle Kräfte psychologisch nachbetreut. „Wir wechseln die Leute auch aus. Jeder bekommt eine Ruhepause“, betonte Annette Kull.

