Winnenden/Amoklauf – Kleine Schritte auf dem Weg zu normalem Unterricht
15. März 2009 | Von Jürgen Linsenmaier - 365TAGE-RemsMurr | Kategorie: informativesKommende Woche werden die Schüler der Albertville-Realschule in umliegenden Einrichtungen betreut. Lehrer aus anderen Schulen und Schulpsychologen leisten Unterstützung.
In der Woche vom 16. bis 20. März wird es für alle Klassen der Albertville-Realschule keinen Pflichtunterricht geben. Wolfgang Schiele, Leitender Regierungsschuldirektor am Regierungspräsidium Stuttgart, kündigte an, dass Lehrer und Schulpsychologen bei der Betreuung flexibel und individuell auf die Wünsche der Kinder eingehen werden. Die einzelnen Klassenstufen werden auf Einrichtungen in der näheren Umgebung verteilt – Sport- und Gemeindehallen, Freizeitzentren, etc. Dort können sie Spielplätze nutzen, sich bewegen, mit Psychologen und Seelsorgern sprechen, malen, basteln. „
Wir werden das tun, was notwendig und hilfreich ist. Wir berücksichtigen, dass die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Lehrer ganz unterschiedlich mit dem Schrecken umgehen. Jeden Tag werden wir uns am Nachmittag zusammensetzen, die Schüler einbeziehen, Erfahrungen sammeln, den Tag reflektieren und auf dieser Basis die weiteren Schritte auf dem Weg in den „normalen Unterricht“ planen“, so Schiele. „Wenn – nur als Beispiel – eine Gruppe von Schülern auf Plakaten Ideen entwerfen wollen, was sich in der Gesellschaft ändern soll, damit ein solches Ereignis sich nicht wiederholt, dann machen wir das möglich.“
Die Lehrer der Albertville-Realschule werden bei ihren Angeboten an allen Tagen der kommenden Woche durch weitere Lehrkräfte aus dem Rems-Murr-Kreis verstärkt. Wolfgang Riefler, Leiter des Staatlichen Schulamts Backnang: „Diese Solidarität erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und Achtung. Die Lehrer der betroffenen Schule brauchen diese Entlastung.“
An den fünf Tagen werden die verantwortlichen Pädagogen, die Schulpsychologen und die Schulleitung laut Schiele genau beobachten und auswerten, wie es mit den Angeboten ab dem 23. März weiter geht. Da das Gebäude der Albertville-Realschule vorerst nicht benutzt wird, weichen die Schüler in umliegende Gemeinden aus. Die dortigen Schulleitungen stellen Klassen- und Fachräume in ausreichender Zahl zur Verfügung. Wie weit der Unterricht von „Normalität“ geprägt sein wird, müsse man abwarten und flexibel reagieren. Abgestimmt auf die individuelle Situation der Jugendlichen und Lehrer werde man laut Schiele auch bei den kommenden Prüfungen zur Mittleren Reife ab April verfahren. „Für jede einzelne Schülerin, für jeden einzelnen Schüler dürfen nach diesen Vorkommnissen und Erlebnissen keine Nachteile entstehen. Dafür sind wir verantwortlich und haben die volle Unterstützung von Kultusminister Helmut Rau.“
Die Schulverwaltung hat bereits in der vergangenen Woche die Weichen dafür gestellt, dass die jetzigen Lehrkräfte der Albertville-Realschule Unterstützung bekommen. Das Land will dafür sorgen, dass neben der „Nachbarschaftshilfe“ der umliegenden Schulen bis zu dreißig neue Lehrkräfte an der Schule eingesetzt werden.
Zusätzlich sicherten am Sonntag auch Regierungspräsident Johannes Schmalzl und Landrat Johannes Fuchs der Stadt Winnenden ihre dauerhafte Unterstützung zu. Mehrere Mitarbeiter aus beiden Behörden sind derzeit zur Stadt Winnenden abgeordnet. „Wir brauchen alle gemeinsam einen langen Atem, um diese schreckliche Situation zu bewältigen. Wir werden Winnenden nicht allein lassen“, so Schmalzl und Fuchs.

